Zum Inhalt springen

Zwischen Buchen und Kakteen

Auf der Suche nach einem übergeordnetem Thema für diesen Blog gab mir Dr. Wagner – Autor bei 120 Minuten – den vielleicht entscheidenden Tipp. Beim gemeinsamen Kicken im Stadtpark am letzten Sonntag sprachen wir über das neue Projekt. Ich erzählte, dass ich nach knapp 20 Jahren erstmals wieder in Magdeburg lebte. „Dann geht’s ja auch um die Wieder-Entdeckung der Heimat“, so der Doktor. Seither setzte sich das Motiv, die heimische Gegend wieder, oder sogar neu zu entdecken, in meinem Kopf fest.

Wo anfangen? Am besten im eigenen Viertel. Also zückte ich gestern das virtuelle Lineal, um den nächsten Fußballplatz zu finden. Im wahrsten Sinne. Meine Wohnung liegt im Dreieck zwischen Germer-Stadion, dem Sportplatz Dodendorfer Straße und dem Jahnsportplatz. Letzterer ist mir tatsächlich am nächsten, von der Haustür bis zum Mittelpunkt sind es per Luftlinie 640 Meter. Also ging’s gestern nach Buckau zum SV Arminia 53.

„Magdeburg – Architektur und Städtebau“ weiß, dass Buckau als slawische Siedlung entstand. Urkundlich wurde buchuvi, der „Ort an den Buchen“, im Jahr 937 erwähnt. Mehr noch als die Buchen dürften Klinke und Sülze, Zuflüsse der Elbe, der entscheidende Standortvorteil für unsere slawischen Ahnen gewesen sein, sich dort niederzulassen. Knapp 900 Jahre später entwickelte sich Buckau zum Hort der industriellen Entwicklung in Magdeburg. 1855 gründete etwa der Ingenieur Hermann Gruson seine Maschinenfabrik und Eisengießerei. Noch heute tragen die nahe gelegenen Gewächshäuser seinen Namen. Er hatte der Stadt seine Pflanzensammlung gestiftet, darunter die wohl größte Kakteensammlung Europas. Vor meinem inneren Auge baut sich die Szenerie in Citizen Kane auf, doch statt der antiken Skulpturen ist das herrschaftliche Anwesen bei Citizen Gruson bis zum Bersten mit Kakteen gefüllt.

Klubhaus Junge Talente

Relevanter als das Grünzeug ist für uns allerdings die damalige Entwicklung des Eisenbahnbaus. Nicht, weil die im 19. Jahrhundert entstandene Eisenbahnlinie Magdeburg / Leipzig uns immer noch nach Sachsen bringt. Sondern weil sie beim Fußball schauen auf dem Jahnsportplatz kaum weiter entfernt ist als das Spielfeld. Diese Luftaufnahme macht das besonders anschaulich. Das Gros der Zuschauer versammelte sich auf der Anhöhe hinter den Trainerbänken.

Der Jahnsportplatz wurde erst in den vergangenen Jahren saniert. Den Turnvater wird freuen, dass die Anlage von mehreren Schulen genutzt wird. Mit dem AMO Kulturhaus im Hintergrund stimmt auch die Kulisse. Einzig das baufällige Klubhaus Junge Talente stört das Bild. (Und anscheinend tut sich da auch seit der Jahrtausendwende nichts.) Wer weiß, woher der Name kommt, möge sich melden!

SV Arminia Magdeburg 3:0 (1:0) SV Germania Güsen

Gestern also empfing Arminia Magdeburg auf dem Jahnsportplatz Germania Güsen. Arminia ist aktueller Tabellenführer der Landesklasse Sachsen-Anhalt Staffel 2. Rang eins und fünf trennen allerdings nur drei Punkte. Und die SG Blau-Weiß Niegripp verfügt sowohl über das beste Torverhältnis der Top-Teams als auch drei ausstehende Nachholspiele. Wer tatsächlich für einen Aufstieg in die Landesliga gemeldet ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Germania Güsen wird es nicht sein. Die Güsener belegen Rang 15 von 16, kämpfen also um den Klassenerhalt.

Die Partie verlief, wie es die Tabellensituation hatte vermuten lassen. Arminia reichten starke 15 Minuten zu Beginn und 20 zum Ende. Der frühe Eröffnungstreffer hatte sich sogleich abgezeichnet. David Berlin vollendete aus kurzer Distanz nach einer Hereingabe von links (4′). Das 1:0 nahm rasch den Schwung aus der Partie, da auch die Gäste nur zu zaghaft agierten. Arminia konnte den Ball sicher in den eigenen Reihen halten. Gefährlich wurden die Gäste in Halbzeit eins nur über Standards, setzten einen Freistoß an den Pfosten (~25′). Für die Hausherren war das nicht der erhoffte Aufweckmoment.

Support your local team.

Erst nach dem Seitenwechsel verdoppelten sie die Führung. Berlin scheiterte zunächst noch frei vorm Güsen-Keeper, schnürte beim nächsten Angriff dann aber den Doppelpack (53′). Güsen kam in der Folge vereinzelt zu Chancen. Einen Angreifer der Gäste spülte es Mitte der zweiten Halbzeit frei vor den Kasten der Arminen, der Abschluss trippelte links unten vorbei. Die Schlussphase gehörte wieder den Gastgebern, die ein ums andere Mal einfache Ballgewinne im Mittelfeld erzwangen, mit Überzahl konterten, aber meist überhastet abschlossen. Dustin Lenz besorgte per Foulelfmeter den 3:0-Endstand (86′).

Was mir noch fehlt, sind Vergleichswerte – vor allem über die Ligen hinweg. Zwar war der Leistungsunterschied zwischen Arminia und Güsen deutlich. Aber wüsste ich nicht, wie ich Arminia im Vergleich zu Börde vor zwei Wochen einsortiere. Zwei Spielklassen Unterschied scheinen mir doch etwas zu viel.

Published inVor Ort

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.