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Sektion Heuschnupfen

Diese unsägliche Sommerpause steht unmittelbar vor der Tür. Daher ging es gestern, dem Heuschnupfen trotzend, zunächst nach Stadtfeld, anschließend in die Leipziger Straße. Zur Belohnung für Sonnenbrand und wunde Hacken gab es dort zwei neue Grounds aus der unmittelbaren Umgebung.

Neulich beschwerte ich mich an dieser Stelle, dass mir noch Vergleichswerte fehlen – zwischen Teams einer Liga und den verschiedenen Klassen. Das sollte sich gestern ein wenig ändern. Während die erste Partie des Tages ein recht körperloses Schützenfest wurde, ging es höherklassig durchaus robust zur Sache. Und das, obwohl es dort für beide Teams um nichts mehr ging.

Zuerst aber Stadtfeld. Eigentlich ist da Börde die erste Anlaufstelle. Gestern war jedoch der Post Sportplatz das Ziel, die Anlage befindet sich unmittelbar in der Spielhagenstraße. Der umliegende Wohnkomplex wurde von 1964 bis 1966 erbaut, umfasst 1.200 Wohnungen und stellt – so „Magdeburg / Architekur und Städtebau“ – „eine typische Siedlungsform aus den frühen 60er Jahren der ehemaligen DDR dar“. Jo, kommt hin. Dem sei noch hinzugefügt, dass Namenspatron Friedrich Spielhagen ein Schriftsteller aus dem 19. Jahrhunderts war. Geboren wurde er 1829 tatsächlich in Magdeburg, viele Jahre verbrachte er hier allerdings nicht. Zeitgenossen feierten seinen Schmöker „Problematische Naturen“. Mit denen hatte ich in Form von Gräsern und Pollen an diesem Wochenende auch zu schaffen. Die Akteuere auf den Plätzen kämpften eher mit der Temperatur.

Post SV Magdeburg 12:0 (8:0) SG Handwerk Magdeburg

Bei sengender Hitze lautete das erste Match-up des Tages Postler gegen Handwerker. Sogleich wurden die Kräfteverhältnisse klar: Post traf mit dem ersten richtigen Angriff. Justin Firchow verunglückte eine Flanke von Rechtsaußen, die über SGH-Schlussmann Maik Mattern hinweg im langen Eck einschlug (2′). Kurze Zeit später rettete ihn dann das Gebälk. Bastian Schäfer, Aktivposten in Reihen der Gastgeber, zog vom linken Flügel in die Mitte, schloss mit rechts ab. Sein Schlenzer knallte ans Kreuzeck (10′). Das fällige 2:0 erzielte drei Minuten später Jakob Münch, der mir auf Linksaußen gut gefiel. Nach einem schönen Diagonalpass ließ er einen Verteidiger aussteigen, verlud dann den Keeper. Nach einer Viertelstunde war das Packerl schon geschnürt, erhöhte Post auf 3:0. Die Gastgeber spielten eine Eckenvariante in den Rückraum. Einen eher schwachen Schuss ließ Handwerks Schlussmann prallen. Nur Firchow hatte darauf spekuliert und staubte ab.

Zierde in der Spielhagenstraße. Ein saftigeres Grün als auf dem Rasen.

Müßig, sämtliche Tore aufzuzählen. Handwerk war schlicht von der spielerischen Klasse der Gastgeber überfordert. Anton Schmidbauer traf mit einem sehenswerten Schlenzer zum 5:0 (30′), Vorarbeit: Jakob Münch. Mehr als eine halbe Stunde brauchte es, bis Handwerk einen ersten Schuss absetzte. Anschließend vollendete Tristan Wolf auf der anderen Seite einen schönen Spielzug zum 7:0, wurde per Lupfer aus dem Rückraum bedient, wickelte Ballmitnahme und Abschluss in zwei Kontakten ab. Noch zu erwähnen: Auf dem Weg zum 12:0 Endstand durchbrach Post die Schallmauer von 100 Saisontoren, steht nun bei 104 Treffern. Das ist, wenig überraschend, Spitzenwert in der Stadtoberliga. Auf Rang zwei der Tor-Liste folgt MSC Preußen II mit 85 Treffern. Die Handwerker hatten übrigens ihrerseits vor der Partie nur 34 Gegentore hinnehmen müssen.

HSV Medizin Magdeburg 1:1 (1:0) SSV Samswegen

Weiter ging es gen Süden. An der Dodendorfer Straße sollte eine ausgeglichenere Partie warten. Das Gebiet Leipziger Straße wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts erschlossen und bebaut. 1872 wurde, damals noch zwei Kilometer außerhalb der Stadt, der heutige Südfriedhof angelegt. Ab 1889 entstand der Kristall-Palast, ab 1890 das Sudenburger Krankenhaus, das heutige Uniklinikum. Während der Norden des Viertels mit zahlreichen Villen der Gründerzeit aufwartet, prägen Plattenbauten das Bild im Süden.

So auch hinter der Gegengerade des Sportplatz Dodendorfer Straße. Dort genießt u.a. der HSV Medizin Heimrecht. Der Ursprung des Vereins dürfte ob der Nähe zur Uniklinik auf der Hand liegen. Interessant ist aber, dass Medizin ab 1969 wohl im ehrwürdigen Guths-Muths-Stadion spielte. In der Spielzeit 2017/18 sind sowohl Medizin als auch Samswegen fest im Mittelfeld der Landesklasse 2 verankert. Am vorletzten Spieltag empfing somit der Tabellensechste den -neunten.

Der Sportplatz Dodendorfer Straße, mit Skyline.

Die Gäste plagte Personalnot. Trainer Nico Becker musste selbst ran, einige Plätze in der Startelf wurden von Nachwuchsspielern der A-Jugend gefüllt. Dafür präsentierte sich Samswegen zu Beginn wacher, verzeichnete mehr Spielanteile. Es zeigte sich auch gleich der Unterschied zwischen achtklassiger Landesklasse und neuntklassiger Stadtoberliga. So blöd sich das vielleicht anhört. Im direkten Vergleich hintereinander ließ sich doch eine andere Physis ausmachen. Auch das Tempo war deutlich höher, trotz der Hitze.

Nach einer Viertelstunde waren auch die Gastgeber endlich im Spiel. Eine hart geschlagene Ecke, ein Kopfball aus fünf Meter Entfernung donnernd an die Latte. Es war die Initialzündung für Medizin, die Samswegen anschließend hoch pressten, einen Ballverlust im letzten Drittel forcierten und in Person von Alexander Ruhland auf 1:0 stellten (18′). Noch vor der Trinkpause verdoppelten die Gastgeber beinahe ihre Führung. Eine Freistoßflanke konnte Samswegens Keeper Tom Lindemann nur zur Seite tippen. Der Ball landete sofort wieder im Mixer; ein vermeintlich aufgenommener Rückpass wurde nicht geahndet.

Medizin mit falsch dosierter Offensive

Nach einer halben Stunde zappelte der Ball dann tatsächlich erneut im Netz der Gäste. Holger Franke drückte das Spielgerät am langen Pfosten über die Linie. Der Schuss seines Teamkollegen wäre womöglich auch ohne Einwirkung reingegangen. So entschied das Schiri-Gespann auf Abseits. Wenige Minuten später setzte ein Mediziner Marten Schmiede mit einem Steilpass in Szene, der frei vor Samswegens Schlussmann auftauchte. Dieser hielt seine Mannschaft mit einem starken Reflex im Spiel. Auch seine Vorderleute sammelten viele Abschlüsse. Die meisten wurden aber überhastet abgegeben und gingen meist ins Hintertornetz. Mit dem Pausenpfiff fiel dann doch fast der Ausgleich. Einen Abpraller wollte Michael Küster einnetzen, Enrico Mai kratzte den Ball noch von der Linie.

Beide Teams mussten dem Wetter bereits in der ersten Hälfte Tribut zollen. Medizin nahm einen Wechsel vor, Samswegen zwei. Eine Verletzung konnte ich bei keinem der Ausgewechselten ausmachen. Erwartbar zerfahren begann dann die zweite Halbzeit. Vieles spielte sich zwischen den Strafräumen ab. Samswegen war bemüht, wollte aber sichtbar nicht zu früh aufmachen und präsentierte sich erneut unsauber im vordersten Drittel. Medizin drückte das Tempo, setzte sich mit mehreren Ecken in der gegnerischen Hälfte fest. Magdeburg zog Fouls, limitierte Samswegen zu Abschlüssen aus der zweiten Reihe. Und kassierte spät den Ausgleich. Zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit setzte Samswegen zum Konter an, schickte Fabian Hartmann steil in den Strafraum. Statt quer in die Mitte zu legen, zog der aus spitzem Winkel ab – 1:1, Endstand. Ein Spiel, aus dem beide Teams drei Punkte hätten mitnehmen können. Zwar verzeichnete Medizin mehr Großchancen. Samwegen war aber phasenweise spielbestimmend.

Der Doktor fühlte sich anhand meiner Fotos auf Twitter an seine eigenen spielerische Auftritte an der Dodendorfer Straße erinnert. Festgehalten hatte er die bereits für 120 Minuten, Leseempfehlung.

Published inVor Ort

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