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Saisonabschluss in der Stadtmeisterschaft

Da sitzt du die ganze Woche bei brütender Hitze im Büro und kaum ist Spieltag, schlägt das Wetter um. So ging es gestern eben bei Nieselregen raus auf die Magdeburger Sportplätze. Vor der Drohkulisse Sommerpause galt es, nochmal innerhalb der Stadtgrenzen einen neuen Ground zu machen. Die Wahl fiel auf das Stadion der Bauarbeiter – auch, weil ich dadurch im Anschluss pünktlich das Saisonfinale bei Börde erreichen konnte. Noch ein positiver Nebeneffekt der Spielwahl: Auf dem Hinweg kam ich an meinem allerersten Bolzplatz (an der Beimsstraße) vorbei. Wir spielten damals ja noch auf Schotter!

Früher war mehr Schotter, Bolzplatz Beimsstraße.

Die immer hilfreiche Website fussball.de verortet das Stadion der Bauarbeiter in Diesdorf. Das verwunderte mich doch, da meiner Warte nach Diesdorf erst ein paar Blocks weiter westlich beginnt. Eben am Ende der Großen Diesdorfer.

Von Dieter zu Hermann

Definitiv Teil Diesdorfs ist die Kirche St. Eustachius und St. Agathe, die um 1350 erbaut wurde und die Jahrhunderte überdauerte. Nicht erhalten blieben die „Hofanlagen in Form des mitteldeutschen Mehrseitenhofes“, die entlang der Schrote ein „für die Börde typisches Haufendorf bildeten“.¹ Denn bis auf die Kirche wurde die Ortschaft während des Dreißigjährigen Kriegs komplett zerstört. Die später im 19. Jahrhundert entstandenen Gehöfte zeugen von der verbesserten Ertragslage der ansässigen Bauern.

Erstmals wurde die Ortschaft übrigens im Jahr 937 in einer Schenkungsurkunde Otto I. erwähnt. Allerdings als „Thiederestorp“. Daraus lässt sich wohl ableiten, dass einst ein „Dieter“ diesem „dorf“ vorstand. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Hermann Erdwig war weniger Dorfvorsteher denn Betriebsdirektor des VEB Bau-Union Magdeburg. Der war Trägerbetrieb der BSG Aufbau Börde und 1950 nicht unwesentlich an der Errichtung eines Sportkomplexes samt Schwimmbecken und Zehn-Meter-Turm beteiligt. Das so entstandene Stadion der Bauarbeiter zog die Massen sportbegeisteter Magdeburger an. Die Volksstimme beziffert die Kapazität anno 1952 auf „über 20.000“.

USC Magdeburg 6:0 (0:0) Germania Olvenstedt II

Kaum 20 Menschen verfolgten dagegen gestern die Stadtoberliga-Partie des Universitätssportclub Magdeburg gegen Germania Olvenstedt II. Vermutlich war ich der einzige Neutrale vor Ort. Immerhin hatte ich somit die Gegengerade für mich allein.

Dreizehn Teams bestreiten die Stadtoberliga Magdeburg. Der USC belegt Rang neun, Olvenstedt II ist abgeschlagenes Schlusslicht. Vor diesem letzten Spieltag ging es für beide Teams darum, den Saisonabschluss anständig über die Bühne zu bringen. Das Hinspiel ging an den USC, der auswärts 5:2 triumphierte. Auf ein ähnlich torreiches Spiel ließ zunächst wenig schließen. Was jedoch schnell auffiel: Die Gastgeber waren im Schnitt doch etwas athletischer veranlagt und tiefer auf der Ersatzbank besetzt. Das würde sich hintenraus auszahlen.

Früher war mehr Traverse, Stadion der Bauarbeiter

Beide Teams versuchten zu Beginn, mit langen Bällen aus dem Mittelfeld in den Rücken der gegnerischen Abwehr zu kommen. Tim-Nils Dörmann markierte den ersten Torschuss für den USC, hatte sich zuvor mit einem schönen Solo über links gegen zwei Abwehrspieler durchgesetzt (7′). Im Gegenzug kam Stoßstürmer Marcel Stotzky frei vor Holger Thomas zum Abschluss. Eine viel bessere Gelegenheit sollte sich Stotzky nicht mehr bieten, denn meist agierte er vorn allein auf weiter Flur. Der USC präsentierte sich da als Mannschaft beweglicher. Allerdings ohne Genauigkeit im Abschluss: Mitte der ersten Halbzeit jagten Matthias Zeidler und Michael Mnich Abschlüsse aus guten Positionen in den diesigen Diesdorfer Himmel. Die beste Gelegenheit hatte Kevin Pröttel auf dem Fuß, der nach Vorarbeit über rechts den Ball knapp neben das Tor setzte (33′). Trotz aller spielerischen Überlegenheit verpasste es der USC, noch vor dem Halbzeitpfiff Zählbares in die Pause mitzunehmen.

Spätes Schützenfest

Magdeburg war auch nach dem Seitenwechsel um Spielkontrolle bemüht. Das öffnende Tor fiel jedoch durch einen Konter. Lionel Mejean wurde rechts steil geschickt, legte quer auf Pröttel. Der schob am langen Pfosten ein und gab so den Startschuss für die USC-Offensive. Schon eine Minute später, der Spielzug hatte ja so gut funktioniert, schickten sie Mejean erneut über den rechten Flügel. Diesmal schoss er selbst, stellte auf 2:0. Der Widerstand der Gäste war sichtbar gebrochen. Konstantin Düngen zog aus 20 Metern ab, sorgte für die Vorentscheidung. Zwischen 1:0 und 3:0 lagen kaum fünf Minuten.

Das Spiel verflachte, wurde aber auch ruppiger. Die Gastgeber haderten unnötigerweise mit sich selbst, während die Gäste mit Krämpfen kämpften. Ein Abschlag von Olvenstedts Schlussmann Marc-Kevin Deupert landete beim Gegner, der anschließende Kopfball direkt im Laufweg von Pröttel – 4:0 (64′). Ein Abschlag von Olvenstedts Schlussmann Marc-Kevin Deupert landete beim Gegner, anschließend hatte Mejean freie Bahn – 5:0 (70′). Bei nachlassender Kraft blieben die Gäste in Halbzeit zwei gänzlich ohne Torgefahr, sorgten überhaupt nur selten für Entlastung. Der USC machte dagegen das halbe Dutzend voll. Gregor Vollmer war bei einer Ecke schneller am Ball als Deupert, köpfte die Hereingabe ins verwaiste Tor. Zur Ehrenrettung Deuperts: Kurz vor Abpfiff nutzte er nochmal die Chance, sich auszuzeichnen, zeigte zwei tolle Paraden hintereinander.

An der Tabellensituation änderte diese Partie nichts. Für Olvenstedt II geht es nächste Saison eine Spielklasse tiefer weiter. Stadtmeister 2017/18 ist der BSV 79.

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¹ Magdeburg – Architektur und Städtebau, Verlag Janos Stekovics, 2001

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